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RSSPrint

„Kirchen sind die Seelen der Dörfer“

23.01.2020

Wie LEADER die kreative Gestaltung des ländlichen Sozialraums ermöglicht

Unter der Überschrift „Neue Akteure auf dem Land - Kultur, Kirche, Raumpioniere. LEADER als  Ermöglichungsraum für kreative Ideen“ haben sich am 23. Januar 2020 im Rahmen der „Grünen Woche“ in Berlin über 200 Interessierte getroffen. Auf dem Zukunftsforum Ländliche Entwicklung inspirierte man einander mit Informationen, Pecha-Kucha-Vorträgen und Rollenspielen über den Umgang miteinander – und mit LEADER. Veranstalter war die Deutsche Vernetzungsstelle Ländliche Räume (DVS) mit Sitz in Bonn, die Bundesarbeitsgemeinschaft der LEADER-Aktionsgruppen (BAG LAG) und die Agrarsoziale Gesellschaft (ASG). Stefan Kämper von der DVS hat die Gesamtmoderation übernommen.

Ländlicher Raum ist Sozialraum

Einen der Pecha-Kucha-Vorträge – es handelt sich um Powerpoint-Präsentationen, die für jede von 20 Folien exakt 20 Sekunden Redezeit vorgibt – hat Johan Wagner von der EKBO-Regionalberatung für EU-Fördermittel gehalten. Sein Thema war die „Erklärung von Altenkirchen. Was Kirchen, Wohlfahrtsverbände und LEADER-Stellen empfehlen“.  Auf einer bundesweiten Tagung in Altenkirchen 2019 hatten LEADER-Akteure und Kirchenmenschen aus Gemeinden, Wohlfahrtsorganisationen und kirchlichen Dachorganisationen Ideen entwickelt.

Weitere Informationen zur Tagung finden Sie unter folgendem Kurzlink:

https://foerdermittel-ekbo.de/altenkirchen

Die wichtigste Empfehlung heißt: Aufeinanderzugehen! Kirchen sollten noch mutiger auf nicht kirchliche Akteure zugehen, in nicht dezidiert kirchlichen Gruppen mitwirken, um Einfluss auf die Gestaltung des ländlichen Raumes zu nehmen – und LEADER-Gruppen sollten mutiger auf die Kirchen zugehen, um sich der Unterstützung ihrer Ehrenamtlichen zu versichern. Alle gemeinsam können dann, wenn auch nur geringfügig, Einfluss nehmen auf „die da oben in Brüssel“, damit Schwerpunkte für das Förderprogramm LEADER auch mit ihren eigenen Schwerpunkten vereinbar sind. „Wir alle sind Brüssel“, sagte  Wagner emphatisch. „Wir haben viel ländlichen Raum. Ländlicher Raum ist Sozialraum.“

LEADER als Ermöglichungsraum

Das Grußwort von Hanns-Christoph Eiden, Präsident der Bundesanstalt für Landwirtschaft und Ernährung, ging in eine ähnliche Richtung: „Kirchen sind die Seele der Dörfer“, und: „LEADER will Ermöglichungsraum sein“, sagte Eiden. Um die Kirche im Dorf zu lassen, müssten sich nichtkirchliche und kirchliche, Zugezogene und Alteingesessene gemeinsam für Kirche und Dorf engagieren – gerade angesichts einer schrumpfenden Kirche.

Dr. Ariane Sept vom Leibniz-Institut für Raumbezogene Sozialforschung (IRS) e.V., Erkner ermutigte ebenfalls, sich von kreativen Lösungen in der ländlichen Entwicklung nicht von den LEADER-Formalitäten abschrecken zu lassen, sei es, um einen gemeinsamen Dorfladen einzurichten oder andere Begegnungsorte zu schaffen. Dass Leerstände Zukunftsorte sein können, in denen alte und neue Dorfbewohner kreativ sein und experimentieren können, zeigte Lena Buck vom Netzwerk Zukunftsorte am Beispiel von „Leerstand-Safaris“. Samo Darian (TRAFO – Modelle für Kultur im Wandel) gab Empfehlungen zur Kunst- und Kulturförderung mit LEADER.

"Wir sind Botschafter Europas"

„Nicht jede Idee ist geeignet für LEADER“, warnte dagegen Andreas Grieß vom Sächsischen Staatsministerium für Umwelt und Landwirtschaft in seinem – ebenfalls im Pecha-Kucha-Format gegebenen – Ausblick auf die neue Förderperiode, zumal es in der kommenden Förderperiode weniger Mittel geben werde. „LEADER ist ein gutes Beispiel für ein bürokratisch fast nicht zu bewältigendes Förderprogramm“, meinte Grieß launig, und das werde, allen Vereinfachungsbemühungen zum Trotz, auch so bleiben. Er rief dazu auf, auch die Regionalbudgets der Länder und andere Möglichkeiten zu nutzen: „Kümmern Sie sich um anderen Fördermittel!“

Ein Beispiel für ein nur bedingt LEADER-geeignetes Projekt lieferte die Rollenspielvorlage: ein dreitätiges Festival mit Künstlern, dem Bau einer „Event-Scheune“ und Kochkursen. Hierzu gab es in kleinen Gruppen Rollenspiele: Diejenige, die sonst in der Bewilligungsstelle Anträge bearbeitet, schlüpfte in die Rolle der Antragstellerin, diese wiederum in die des Regionalmanagers o. Ä.  Die bremsende Sachbearbeiterin merkte, wie frustrierend es sein kann, Anträge im Vorgespräch gar nicht erst zuzulassen, während der Antragsteller spürte, wie frustrierend es ist, wenn die eigene Art zu denken und zu gestalten sich an Fördermittel- und Vergaberichtlinien reibt. Da kann es vorkommen, dass eine gute Idee sich eben auch zer-reibt und ehrenamtliches Engagement ins Leere geht.

„Man muss nicht alles LEADER-passfähig machen“, betonte Ines Kinsky (Regionalmanagement LEADER-Region Saalfeld-Rudolstadt / BAG LAG). Das „LEADER-Kauderwelsch“ verstünden Kreative und Antragsteller oft nicht. „Wir Regionalmanager müssen Mittler sein, auch Übersetzer“, warb Kinsky und nicht „verlängerter Arm der Bewilligungsstellen“. Auch wenn die Bedenkenträger oft stärker seien als die Ausprobierer, sei LEADER „ein Programm für Menschen, und wir sind Botschafter Europas."

Weitere Informationen zu LEADER in Brandenburg finden Sie hier auf unserem Portal:

https://www.foerdermittel-ekbo.de/willkommen/eu-foerderprogramme/eler-brandenburgberlin/leader-brandenburg.html

Wenn Sie weitere Informationen zu diesem Thema wünschen, kontaktieren Sie uns: www.foerdermittel-ekbo.de/willkommen/ihr-kontakt-zu-uns