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Wie bleibt die Kirche im Dorf?

Die Kirche im Dorf ist ortsbildprägend und für viele Menschen gehört sie wie selbstverständlich zur Identität des eigenen Wohnortes. Allein in Brandenburg gibt es etwa 1600 Dorfkirchen. Doch der demografische und gesellschaftliche Wandel hat die Zahl der Kirchenmitglieder merklich schrumpfen lassen. Der Erhalt dieser Kirchengebäude bedeutet für viele Gemeinden eine immer größer werdende Belastung. Dennoch bleiben die Kirchengebäude bestehen, auch weil viele von ihnen als Baudenkmal unter besonderem Schutz stehen. Was soll mit den oft nur wenig genutzten oder völlig leeren Kirchen passieren? Wie kann man sie wieder mit Leben füllen und zu einem Ort der Gemeinschaft und Begegnung machen?

Innenansicht der Michaeliskirche in Neustadt am Rennsteig
Hinter einem blauen Vorhang bietet die Herbergskirche in Neustadt a.R. eine Übernachtungsmöglichkeit im sakralen Raum.

Über diese Fragen berieten ExpertInnen und Interessierte auf der Dorfkirchentagung EKBO in Prenzlau (Uckermark) am 10. September 2021. Das Fazit: Es braucht neue Perspektiven. Von der Kirche allein könne der Erhalt der Gebäude nicht sichergestellt werden. Entscheidend ist das Engagement der BürgerInnen vor Ort. Denn diese Menschen wissen am besten, welche Lösungen es braucht, um die wenig genutzten oder sogar leer stehenden Kirchen wieder in die Mitte des gesellschaftlichen Lebens zu rücken.


Dafür bietet sich eine Mehrfachnutzung des Gebäudes an, bei dem der sakrale Raum bestehen bleibt und sich dennoch öffnet für neue Ideen der Gestaltung von dörflicher Gemeinschaft.

Die Her(R)bergskirche in Neustadt am Rennsteig (Thüringen) bietet so ein Konzept der doppelten Nutzung des Kirchenraumes. Hier hat man erkannt, dass es neue Ideen für die Region braucht, um den Tourismus zu stärken und Begegnungsräume zu schaffen.  Engagierte Menschen der evangelischen Gemeinde entwickelten mit Unterstützung der Evangelischen Kirche in Mitteldeutschland (EKM) und der Internationalen Bauausstellung  (IBA) Thüringen die Idee, die Michaeliskirche für die Beherbergung von GästInnen zu öffnen.
Das Projekt startete 2017 mit einem Team aus VertreterInnen der Kirchengemeinde, BewohnerInnen und Architekten aus Berlin, Wien und Leipzig. Das Ergebnis ist seit 2018 eine fest installierte Schlafnische, die sich – durch einen Vorhang abgetrennt – in den sakralen Raum einfügt und in den Sommermonaten bis zu drei Personen einen Schlafplatz bietet. Das Konzept erfordert nur wenige Eingriffe und ermöglicht doch Vieles zur Stärkung der Gastfreundschaft und Gemeinschaft.

Es bleibt abzuwarten, was diese neuen Formen der Nutzung für den Glauben bewirken können und ob sie vielleicht sogar zu einem neuen Verständnis desselbigen führen. In jedem Fall stellen sie eine Möglichkeit dar, sich dem allgemeinen Trend des Schrumpfens entgegenzustellen und als Gemeinschaft lebendig zu bleiben.

 

Mehr zum Thema:

"Dorfkirchen in Gefahr". Ein Gespräch mit dem Architekten Frank Röger, Chef des kirchlichen Bauamtes der evangelischen Landeskirche. (RBB Inforadio, 19.09.2021)

Tagung "Dorfkirchen - geliebt, aber akut bedroht" als Videomitschnitt (Youtube: gemeinsam EKBO, 10.09.2021)