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Dorfkirche Pessin wird zur Radfahrerkirche

Sanierung und Umbau erfolgte u.A. mit LEADER-Mitteln

Die Kirche in Pessin ist eine von etwa 1400 Dorfkirchen in Brandenburg. Für einen Ort mit rund 600 Einwohnern ist die denkmalgeschützte Dorfkirche zu groß. Nicht nur das Kirchenschiff, auch der 28 Meter hohe Westquerturm auf dem Dorfanger sprengt aus heutiger Sicht den Rahmen kirchlichen Bedarfs. Gebaut wurde er einst für die Glocken, die, wenn sie nicht bei Gottesdiensten und Beerdigungen erschallen, stündlich schlagen und daran erinnern, dass „meine Zeit in Deinen Händen steht“. Von ursprünglich drei Glocken ist noch eine übrig, und der Rest des Turminnern bleibt ungenutzt und verfällt. Ein auf fünf Jahre angelegtes LEADER-gefördertes Projekt machte die nachhaltige Nutzung des Sakralgebäudes nötig.

Das Ziel: Die Kirche soll als sakraler Raum erlebbar werden, das Leben auf dem Land stärken und dessen Potenziale nutzen. Zugleich gilt es, der Verantwortung gegenüber der Schöpfung dabei gerecht zu werden. Da eine einzelne Kirchengemeinde die Kosten nicht aufbringen kann kann, beantragte sie für die Sanierung LEADER-Mittel, bereits als zweites LEADER-geförderes Projekt, so dass Erfahrung vorhanden und Vertrauen entstanden war. Dazu war es nach Angaben der Projektverantawortlichen wichtig, mit weiteren Partnern im Vorfeld in Kontakt zu treten, damit die Vorgaben der Regionalen Entwicklungsstrategie erfüllt und der verbleibende finanzielle Eigenanteil gesichert werden kann.

Im Mai 2010 wurde ein Konzept für den Einbau einer Toilettenanlage und einer Kleinküche beschlossen. Die untere Turmebene sollte barrierefrei und auch für Radfahrende zugänglich sein. Vor allem der an der Kirche vorbeiführende überregionale Havelland-Radweg bringt überregionale Gäste. Für die Räder erbaute man einen Unterstand.

Dorfkirche Pessin, Foto: Andreas Flender

Der Förderverein Dorfkirche Pessin e.V. rief zu Vorschlägen für die bauliche Gestaltung der Turmebenen auf. Acht Entwürfe wurden allein für das Erdgeschoss eingereicht, darunter eine Idee aus dem Förderkreis Alte Kirchen Berlin-Brandenburg e.V. Ein Architekturbüro erstellte daraus ein Konzept mit dem Projekt-Namen „Entwicklung der Dorfkirche als Fahrradkirche am Rande des Naturparks Westhavelland“.

Der bislang ungenutzte Kirchturm erhielt ein barrierefrei zugängliches Erdgeschoss mit Teeküche und Toiletten, sowie einen Aufgang zu den oberen Etagen. Das ermöglichte, den Kirchturm zu nutzen und als Besucherzentrum und Beobachtungsturm am Rande des Westhavellandes zu gestalten. Zwischen Sommer 2016 und Frühjahr 2017 wuchs ein modernes, in sich abgeschlossenes Gebäude innerhalb der historischen Mauern des Kirchturms. Anlässlich des Jubiläums 25 Jahre Amt Friesack fand am 10. September 2017 die feierliche Eröffnung des Besucherzentrums mit ca. 200 Gästen statt.

In einem gesonderten Bauabschnitt entstand ein energetisch sanierter Gemeinderaum unter der Empore des Kirchenschiffs. Dieser wurde frei finanziert, einschließlich einer modernen Heizungsanlage, mit der auch die untere Turmebene geheizt wird. Damit wird die Nutzungsmöglichkeit der Kirche zusätzlich gefördert. Als nächstes ist die Innenausstattung der weiteren Turmebenen geplant.

Die Radfahrerkirche Pessin trägt bei zur touristischen Anbindung des Havellandes. Mit anderen Radfahrerkirchen in Deutschland und Partnern wie dem Tourismusverband und den ADFC werden Möglichkeiten für Veranstaltungen ausgelotet. Gemeinsam mit dem NABU, der auch Vorträge und eine Ausstellung in der Kirche anbietet, gibt es ein Monitoring der Nistmöglichkeiten für gefährdete Turmvögel.

Das Projektbeispiel wurde in die Broschüre (Online- und Printversion) "Mut zur EU-Förderung" der Regionalberatung für EU-Fördermittel unserer Landeskirche aufgenommen. Diese Broschüre finden Sie unter: www.foerdermittel-ekbo.de/willkommen/mut-zur-eu-foerderung-und-steckbrief

Letzte Änderung am: 09.01.2020